Synagogenplatz*

Mülheim

Synagoge erbaut 1907, zerstört in der Reichsprogromnacht 09. November 1938

Der Platz befindet sich im Herzen der Stadt zwischen Schloß-und Wallstraße. Er wurde am 26.03.2009 nach der früher dort befindlichen Synagoge benannt. Die Umbenennung des ehem. Viktoriaplatzes ist eine kleine Wiedergutmachung der Stadt Mülheim an ihren verfolgten jüdischen Mitbürgern.

An diesem Platz auf dem ehem. Schollenfeld befanden (und befindet) sich nicht nur das Gebäude der Alten Post (1897 eingeweiht), sondern früher auch der Sparkasse und das ehemalige jüdische Gotteshaus. Menschen jüdischen Glaubens könnten schon im 13. Jahrhundert in Mülheim gelebt haben, ihre Anwesenheit wird aber erst 1508 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Ein erster Betsaal wird um 1730 in der Delle nahe der Bachstraße vermutet. Um 1809 werden 185 Juden in Mülheim gezählt, die in der seit 1794 errichteten neuen Synagoge am Notweg ihren Gottesdienst und Versammlungen abhielten. Die wachsende Stadt zog auch mehr jüdische Mitbürger an.  Die nunmehr alte Synagoge war trotz ständiger Instandhaltungsmaßnahmen in einem sehr schlechten Bauzustand und konnte die gestiegen Zahl der Gläubigen nicht mehr fassen.  Unter Leitung des Mülheimer Architekten Franz Hagen erfolgte im September 1905  die Grundsteinlegung und am 2. August 1907 wurde das neue Gotteshaus der Gemeinde im Beisein der Stadtverordneten, des Oberbürgermeisters Lembke einschl. der Verwaltungsspitze sowie der obersten Militärbehörde der Stadt und Vertreter der christlichen Kirchen übergeben.

Otto Kaiser ging in seiner Festrede u.a. auf das Verhältnis der Gemeinde zur Stadt ein und betonte, dass „wir von jetzt ab unauflöslich zu einander gehören“. Reden der evangelischen und katholischen Pfarrer schlossen sich ebenso an wie die des Militärs, das eine Gedenktafel anbrachte für die „vielen tapferen Krieger aus der hiesigen Synagogengemeinde, die in den Jahren 1864, 1866 und 1870/71 für das Vaterland gekämpft haben“.

30 Jahre später zählte das alles nicht mehr. Durch Flucht, Tod oder Wegzug war die jüdische Bevölkerung um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Die finanziellen Belastungen für die Gemeinde wurden zu groß. So wurde das Gebäude am 5. Oktober 1938 an die Stadt verkauft, die es abreißen wollte, um der Stadtsparkasse eine Erweiterung zu ermöglichen. Zunächst konnte die Gemeinde dort noch Gottesdienste abhalten, doch schon am 9. November 1938 wurde mit Abbrucharbeiten begonnen. In der Nacht auf den 10. November gegen 0.30 h ließ der damalige Feuerwehrmajor und SS-Sturmhauptführer Alfred Freter seine Feuerwehr-Truppe anrücken und setzte die Synagoge in Brand. Anfang 1939 wurde das ausgebrannte Gebäude endgültig abgerissen.

Das Protokoll der Grundsteinlegung wurde auf wundersame Weise gerettet und befindet sich heute im Stadtarchiv.

Historie:

  • 26.03.2009 - Synagogenplatz
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