von: Beate Fischer
Der alte Mülheimer Ofen – Wärme, Alltag und Wandel
Der Mülheimer Schriftsteller Otto Groos hat dem Ofen ein literarisches Denkmal gesetzt. In seinem Text „Der eiserne Hausgenosse“ schildert er den alten Mülheimer Ofen nicht als bloßes Gebrauchsobjekt, sondern als festen Bestandteil des Familienlebens. Als etwas, das beinahe zur Familie gehört.
Mit großer Anschaulichkeit beschreibt Groos den Einzug eines neuen Ofens in ein Mülheimer Haus. Wochenlang wurde gespart, geplant und gewartet. Dann ist er da: schwer, glänzend, zuverlässig. Für die Großmutter ist er Arbeitsgerät, für die Kinder Anziehungspunkt, für alle zusammen Mittelpunkt des Hauses. Um ihn herum wird gekocht, gewärmt, erzählt, gelebt.
Der Ofen steht für Verlässlichkeit. Er spendet Wärme, trocknet Kleidung, hält Speisen warm und schafft einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Groos nennt ihn die
„Sonne im stillen friedlichen Heim“,
ein Bild, das deutlich macht, wie sehr der Ofen für Geborgenheit und Zusammenhalt steht.
Doch der Text beschreibt nicht einfach nur das heimelige Zuhause. Er erzählt mehr über die Zeit: Die Industrialisierung verändert das Ruhrgebiet, Eisenbahn und Dampfkraft lösen die alten Strukturen ab. Auch die Mülheimer Ofenproduktion verliert an Bedeutung. Zahlen, Beobachtungen und Erinnerungen beschreiben allmähliche Veränderungen.
Der Ofen bleibt viele Generation im Haus, ist wichtig für den Alltag in den Familien und wird selbst zur Erinnerung an vergangene Zeiten.
„Der Ofen aber glänzte und glühte, als ob er sagen wollte: rollt auch das Rad der Zeit, für mich rollt es nicht.“
Der Ofen im Museum
Diese literarische Erinnerung hat heute einen ganz konkreten Bezug: Im Historischen Museum im Schloss Broich ist seit einiger Zeit ein historischer Ofen als Leihgabe von Lothar Schaff zu sehen.
Wer war Otto Groos?
Über den Autor des Textes „Der eiserne Hausgenosse“ liegen dem Verein bislang nur wenige gesicherte Informationen vor. Offenbar war Otto Groos eng mit Mülheim an der Ruhr verbunden und hat Alltags- und Heimatgeschichte literarisch verarbeitet.
