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Das Ende der Zeche Rosenblumendelle 1966

Der VEBA-Vorstandsvorsitzende Heinz P. Kemper bei seiner Rede anlässlich der Förderung der letzten Kohle auf Rosenblumendelle, Quelle: Stadtarchiv Mülheim
Der VEBA-Vorstandsvorsitzende Heinz P. Kemper bei seiner Rede anlässlich der Förderung der letzten Kohle auf Rosenblumendelle, Quelle: Stadtarchiv Mülheim

von: Lars van den Berg

Vor genau 60 Jahren wurde am 29.07.1966 die Zeche Rosenblumendelle als letztes Mülheimer Bergwerk stillgelegt. Damit endete eine mehrere Jahrhunderte alte Bergbautradition im heutigen Stadtgebiet und Mülheim war die erste Stadt im Ruhrgebiet, die keinen aktiven Steinkohlenbergbau mehr hatte. Grund genug für einen kleinen Rückblick in die Geschichte der Zeche.

Die Anfänge

Im Jahr 1641 wird in einem Streitverfahren das Bergwerk „Kohlwerk uff der Roßdeel im Heißer Bruch“ im heutigen Stadtteil Heißen genannt, das als ein Vorgänger der Zeche Rosendelle gilt. Um 1750 fördert das Bergwerk „Rosendelle“ in einem rd. 630 m langen Stollen und baut auch unterhalb der Stollensohle Kohle ab. Diese Methode ist sehr aufwendig, da sowohl die Kohle als auch das zufließende Wasser mühsam per Hand auf das Stollenniveau gehoben werden müssen.

Um 1800 legt man einen ersten Schacht an, auf dem Franz Dinnendahl 1809 eine Wasserhaltungsdampfmaschine aufstellt. Mit ihrer Hilfe können Pumpen betrieben und das Wasser aus dem Bergwerk gehoben werden. Die Förderung der Kohle erfolgt aus rund 70 m Tiefe über einen weiteren Schacht mittels Pferdegöpel, einer Einrichtung, bei der ein bis drei Pferde einen senkrechten Rundbaum drehen, an dem sich eine Seiltrommel befindet. Auf diese werden zwei Seile auf- und abgewickelt, an deren Ende sich zwei Fördergefäße befinden, die im Schacht auf und ab bewegt werden. Da es jedoch immer wieder mit starken Wasserzuflüssen zu kämpfen hat, wird das Bergwerk 1817 stillgelegt.

Erst 1841 wird Rosendelle mit den Bergwerken Vorwärts, Morgenröthe, Kämpgeswerk, Tutenbank, Zufall und Blumendelle zum neuen Bergwerk „Vereinigte Rosenblumendelle“ zusammengelegt. Weitere 14 Jahre später beginnt man im heutigen Gewerbegebiet „Am Förderturm“ den neuen Tiefbauschacht „Rosenblumendelle 1“ anzulegen und kann 1860 bereits mit 273 Beschäftigten rd. 42.300 t Kohle fördern. Nur 10 Jahre später kann man die Fördermenge bereits auf rd. 101.000 t bei 392 Mitarbeitern steigern. Im Jahr 1897 beginnen die Arbeiten zum Abteufen von Schacht 2 direkt neben Schacht 1.

Die Entwicklung der Zeche Rosenblumendelle

Durch die Übernahme des Bergwerks durch den 1898 neu gegründeten Mülheimer Bergwerks-Verein wächst die Förderung stetig. Im nördlichen Bereich des Grubenfeldes teuft man ab 1901 den Schacht „Kronprinz“ ab, der sich an der heutigen Aktienstraße auf heutigem Essener Stadtgebiet befand und mit der Schachtanlage Rosenblumendelle ½ an der heutigen Straße „Am Förderturm“ in Mülheim unter Tage verbunden wird. Auch zu den benachbarten, ebenfalls zum Mülheimer Bergwerks-Verein gehörenden Bergwerken Wiesche, Humboldt und Hagenbeck entstehen untertägige Verbindungen.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Hyperinflation in den 1920er-Jahren kommt es innerhalb des Mülheimer Bergwerks-Vereins zu Rationalisierungsmaßnahmen, in deren Verlauf die Zechen Hagenbeck (1928) und Humboldt (1929) stillgelegt werden. Die Förderung der Kohle aus deren Grubenfeldern erfolgt fortan von den Zechen Rosenblumendelle und Wiesche aus.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nachfrage nach Kohle groß, die Fördermengen stiegen rapide an und den Bergwerken ging es zunächst wirtschaftlich gut. Schon vor dem Krieg hatte der Mülheimer Bergwerks-Verein im Jahr 1927 einen Interessengemeinschaftsvertrag mit der Essener Zeche Mathias Stinnes sowie etwas später auch der Bergwerksgesellschaft Diergardt-Mevissen in Duisburg geschlossen. Durch diese Gemeinschaft schafften es die Bergwerke, den Krieg zu überstehen.

Die Kohlekrise und das Ende des Mülheimer Bergbaus

Nachdem schwere Schäden im Zweiten Weltkrieg die Fördermengen einbrechen lassen, steigen sie nach Kriegsende zwar schnell wieder an, doch die Vorboten der Kohlenkrise sind bereits deutlich zu erkennen. Aufgrund der in Mülheim teilweise tektonisch stark aufgefalteten Flöze war die Mechanisierung durch den Einsatz von Maschinentechnik, wie z.B. den Kohlenhobel, im Abbau nur in begrenztem Maße und unter großen technischen Einschränkungen und Herausforderungen möglich. Vielfach erfolgte der Kohleabbau in der sogenannten steilen oder halbsteilen Lagerung – in der die Kohleschichten stark ansteigend bis nahezu senkrecht im Gebirge lagen – noch mit dem Abbauhammer. Dieser aufwendige Abbau war teuer und führte zu Rationalisierungsmaßnahmen.

So wurde 1952 die Zeche Wiesche stillgelegt und gleichzeitig der Abbau im Grubenfeld der ehemaligen Zeche Humboldt eingestellt. Die Schachtanlage „Rosenblumendelle 1/2“ wurde zur Zentralschachtanlage ausgebaut, auf der fortan die Kohle aus den ehemaligen Zechen Wiesche, Humboldt, Hagenbeck und teilweise Sellerbeck zutage gefördert wurde. Zeitgleich wurde 1954 die modernste Brikettfabrik Westeuropas errichtet, in der aus Feinkohle und erhitztem Pech Briketts für die Eisenbahn und Eierbriketts für Heizzwecke hergestellt wurden. Leider brachten diese Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, und das Heizöl machte der Steinkohle zunehmend Konkurrenz.

In der Folge fusionierten die Gewerkschaften Mathias Stinnes, Diergardt-Mevissen und der Mülheimer Bergwerks-Verein 1956 zur „Steinkohlenbergwerke Mathias Stinnes AG“. Während zwischen 1960 und 1965 die Förderung in den Abbaufeldern von Kronprinz, Wiesche und Hagenbeck aufgegeben wurde, blieb Rosenblumendelle zunächst in Betrieb. Doch bereits am 29. Juli 1966 wurde auch hier die letzte Kohle zutage gefördert und Mülheim war die erste Stadt im Ruhrgebiet ohne Bergbau.

Innerhalb der folgenden zwei Jahre verschwanden auch die meisten sichtbaren Zeichen des Bergbaus aus dem Stadtbild. Einige Gebäude und Relikte sind jedoch noch erhalten, die der Mülheimer Bergbauverein „Initiativkreis Bergbau und Kokereiwesen e.V.“ u. a. im Rahmen von Führungen und Vorträgen der Öffentlichkeit vorstellt. Unter dem Motto „Der Vergangenheit eine Zukunft geben“ möchte der Verein diesen einst wichtigen Teil der Mülheimer Stadtgeschichte auch 60 Jahre nach der Stilllegung der letzten Mülheimer Zeche nicht in Vergessenheit geraten lassen.

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