Der Wambecks Hof in Saarn – eine Geschichte über Jahrhunderte

Quelle: Helmut Strippgen

von: Beate Fischer

Wer heute durch Saarn geht, ahnt oft nicht, wie weit die Geschichte einzelner Höfe zurückreicht. Einer von ihnen ist der Wambecks Hof. Seine Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück und erzählen von Menschen, Besitzverhältnissen und einer Landschaft im Wandel.

Der Name „Wambeck“ verweist vermutlich auf den nahegelegenen Wambach und lässt sich auf ein altes Wort für bewegtes Wasser zurückführen. Schon im 13. Jahrhundert taucht er in Urkunden auf: Männer wie Marsilius oder Henricus zu Wambeck erscheinen als Schöffen des Mülheimer Gerichts und gehörten damit zu denjenigen, die im lokalen Gefüge eine gewisse Bedeutung hatten.

Über viele Jahrhunderte hinweg war der Hof Teil eines größeren Zusammenhangs: Als Zins- und Behandigungsgut (ein Hof mit Nutzungsrechten gegen Abgaben) gehörte er, ebenso wie benachbarte Höfe in Saarn und Umgebung zum Hofgericht Lintorf. Hierhin mussten regelmäßig Abgaben entrichtet werden, beim Tod eines Aufsitzers sogar in doppelter Höhe. Ursprünglich stand dieses Hofgericht im Zusammenhang mit dem Stift Kaiserswerth und gelangte 1605 durch Tausch in den Besitz der Herzöge von Berg. Mit den preußischen Reformen des 19. Jahrhunderts endeten diese alten Verpflichtungen: 1835 wurden die Abgaben durch einen Ablösevertrag mit dem preußischen Staat endgültig aufgehoben.

Das Leben auf dem Hof war über Jahrhunderte durch das System von Lehn und sogenannten Aufsitzern geprägt. 
Ein Aufsitzer war dabei weit mehr als ein einfacher Nutzer: Er bewirtschaftete den Hof eigenständig, verfügte über vererbbare Rechte und konnte ihn in der Regel an seine Kinder weitergeben. So erklärt sich, dass der Name „Wambeck“ über Jahrhunderte hinweg mit dem Hof verbunden blieb.

Seit dem 17. Jahrhundert lassen sich die Aufsitzer genauer fassen. In den Akten des Hofgerichts Lintorf erscheinen ab 1616 Wilhelm und wenig später Johann zu Wambeck. Auch in den Kirchenbüchern finden sich ihre Spuren: Ein Peter zu Wambeck lässt Mitte des 17. Jahrhunderts Kinder taufen, ein Wilhelm heiratet 1678 auf dem Diek. Um 1680 kommt es zu einem Wechsel: Neue Aufsitzerfamilien übernehmen den Hof, doch der Name „Wambeck“ bleibt als Hofname bestehen, er wird mit dem Besitz weitergegeben.

Im 18. Jahrhundert geht der Hof mehrfach durch Heirat in neue Hände über, häufig über Töchter, die den Besitz in die Ehe einbringen. Mit Gerhard Strippgen genannt Wambeck beginnt schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine neue Familienlinie. Gemeinsam mit seiner Frau Anna übernimmt er den Hof um 1810.

Seitdem ist der Wambecks Hof ununterbrochen im Besitz der Familie Strippgen. Zuvor hatte es, bedingt durch Erbteilungen und wirtschaftliche Veränderungen, zeitweise eine Aufsplitterung des Besitzes gegeben. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es, die einzelnen Anteile wieder zusammenzuführen und den Hof als Einheit zu sichern.

Die Geschichte des Wambecks Hofes ist damit mehr als die eines einzelnen Anwesens. Sie spiegelt die Entwicklung einer ganzen Region, von mittelalterlichen Strukturen über die Zeit der bergischen und preußischen Verwaltung bis hin in die Gegenwart.

So steht der Wambecks Hof bis heute für die enge Verbindung zwischen Landschaft, Menschen und Geschichte. Ein Ort, an dem sich über Jahrhunderte hinweg das Leben immer wieder neu geordnet hat, ohne seine Wurzeln zu verlieren.

Quelle: Dr. Sandor Krause, Besitzfolge auf dem Hof Wambeck in Saarn, 2025.

Für die freundliche Überlassung der Unterlagen und die wertvollen Hinweise danken wir Helmut Strippgen.

Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner