von: Britta Schwitalla
Bereits im 16. Jahrhundert wurde in den heutigen Stadtteilen Heißen, Dümpten, Winkhausen und Mellinghofen Kohle gewonnen. Später entstanden bedeutende Tiefbauzechen wie Wiesche, Sellerbeck oder Rosenblumendelle. Doch nicht nur Kohle wurde gefördert: Unter Mülheimer Boden lagen auch Eisenstein, Kupfererz sowie Zink- und Bleierze. Die Geschichte des Bergbaus in Mülheim ist deshalb weitaus vielfältiger, als viele heute vermuten.
Der Initiativkreis Bergbau & Kokereiwesen hat sich zur Aufgabe gemacht, die verbliebenen Stätten des Bergbaus im Ruhrgebiet zu erforschen und soweit es möglich ist, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1966 wurde die letzte Zeche in Mülheim geschlossen. Aus diesem Anlass gab es das Angebot von Rundgängen zu den historischen Stätten.
Ein Erfahrungsbericht:
Auf den Spuren der Kumpel Teil I
Auf den Spuren von Leybank, Eisenstein und Erbstollen
Bei Grabungen fand man im Dichterviertel oberirdisch kohlemäßige Brachen. Diese verfolgte man händisch mit Schaufel und Spitzhacke bis zum Eppinghofer Bruch / Kreuzung Leybank. Da wir uns aber im 16. Jahrhundert befinden, kam man nur ca. 3 Meter pro Tag voran. Lars van den Berg, der den Rundgang leitete, erzählte uns mit welchen Schwierigkeiten die Bergleute zu dieser Zeit zu kämpfen hatten.
Im Berg, der sich hinter dem heutigen Jugendzentrum Leybank befindet, fand man durch Zufall Eisenstein. Dieses Material – auch Eisenerz genannt – war eine wichtige Komponente für die spätere Gewinnung von Eisen- und Stahlprodukten. Es war auch die Namensgebung für die Straße, die zuerst Heinrichstraße und seit 1921 Am Eisenstein heißt.
Zum Schluss ging es noch ins Hasental, welches an der Straße Steinkuhle liegt. Hier befindet sich heute ein Spielplatz umgeben von einem eingezäunten Wäldchen mit zwei sogenannten Pingen. Das sind Mulden, von wo aus mit einfachen Mitteln oberirdisch Kohle abgetragen wurde.
Auf den Spuren der Kumpel Teil II
Bergbaurundgang über und rund um die Zeche „Rosenblumendelle“
Der zweite Bergbaurundgang führte zu den erhaltenen Relikten der Zeche Rosenblumendelle“, die am 29.07.1966 als letzte Mülheimer Zeche stillgelegt wurde. Zwar sind die Fördergerüste und -türme inzwischen verschwunden, doch die letzten Gebäude der Zeche „erzählen“ noch immer vom Betrieb des Bergwerks.
Wir starteten am Parkplatz der Waldorf Schule, wo Lars van den Berg und sein Team über die Anfänge der Zeche und die dazugehörigen Gebäude aufklärten. In der Blücherstraße 135a stand einst das Casino, heute ist dort der Tennisklub und der Kindergarten. An der Blumendeller Straße, wo heute die Grundschule steht, war ein Lehrlingsheim für junge Bergleute. In solchen Heimen wurden junge Bergleute untergebracht, die aus anderen Regionen kamen und in Mülheim ihre Ausbildung machten. Sie lebten dort während ihrer Lehrzeit, wurden betreut und erhielten eine grundlegende bergmännische Ausbildung. Dieses Haus wurde bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts als Flüchtlingsheim genutzt.
Wir kamen durch ein kleines Wäldchen hinter der Waldorfschule, wo wir einen unscheinbaren, leicht versteckten Schacht entdeckten. Das war einmal ein Göpelschacht. Dieser senkrechte Schacht wurde durch ein mechanisches Antriebsgerät (den Göpel) betrieben. Bewegt wurde er durch Pferde, die immer im Kreis laufen mussten. Aus heutiger Sicht eine nicht sehr effiziente Art der Energieübertragung.
Anschließend gingen wir weiter und sahen aus der Entfernung gut sichtbar den Findling im Wald, der als als Deckel für einen Bunker diente.
Zurück auf der Blumendeller Straße stehen alte, bewohnte Bergwerkshäuser. Zur damaligen Zeit wurde die obere Etage an sogenannte „Kostgänger“ untervermietet.
Weiter ging der Rundgang zum heutigen Firmensitz der ERNST PRÜMER TEXTIL GMBH an der Straße Wackelsbeck liegt, die ihren Namen vom Flüsschen Wackelsbeck erhalten hat. Ursprünglich wurde es als Markenkontrollhalle gebaut. Es war gleichzeitig der Zu- und Ausgang zum und vom Zechengelände. Direkt gegenüber befand sich ein „Tante Emma“ Lebensmittel-Laden mit überdachten Fahrradständern, die heute als Garagen genutzt werden.
Danach ging es auf das Zechengelände, wo die zu Bergwerkszeiten errichteten Gebäude immer noch stehen, jedoch heute eine andere Nutzung haben. Eine alte Gedenktafel steht wieder dort, wo sie einmal ursprünglich angebracht wurde.
Wir erfuhren auch Details über die Ausrüstung. Warum war die Bergmannskluft weiß? Die Antwort ist sehr plausibel: Die Bergleute trugen weiße Kleidung, damit jeder in den engen und oft schlecht ausgeleuchteten Schächten unter der Erde gut für die anderen Kollegen erkennbar war.
Nach spannenden Stunden auf den Spuren des Mülheimer Bergbaus, der vor 60 Jahren zu Ende gegangen ist, verabschieden wir uns mit einem herzlichen Dank an den Initiativkreis Bergbau & Kokereiwesen unter der Leitung von Lars van den Berg für diese großartige ehrenamtliche Arbeit.
