Von: Danny Gießner
Am letzten Maiwochenende 2026 konnten 15 Mitglieder des Geschichtsvereins bei bestem Wetter den Kirchenhügel und die Mülheimer Altstadt unter kundiger Führung von Anne Kebben, selbst langjähriges Mitglied im Geschichtsverein, erkunden.
Anne Kebben kennt sich aus in Mülheim – ist sie doch selbst Gästeführerin mit Herz. Ihr Wissen und das Faible zur Weitergabe von Informationen konnte sie wunderbar bei weiteren Mitglieder des Geschichtsvereins anwenden. Von der Bogenstraße, am Tersteegen-Denkmal vorbei, über Hagdorn, ehemaligen Altstadtfriedhof und Kettwiger Straße und sogar einem abschließendem poetischen Ausflug: hier war sicher für jeden Interessenten der Altstadt etwas dabei.
Während der fast zweistündigen Runde erfuhren wir Teilnehmer jedoch nicht nur von der kürzesten Straße Mülheims – nämlich ebenjenem Startpunkt: der Bogenstraße. Auch spannende Geschichtsfakten konnten vermittelt werden, stammt doch etwa der Text des auf Hochzeiten oder Beerdigungen gespielten Liedes „Ich bete an die Macht der Liebe“ von Gerhard Tersteegen, an den heute neben seinem Mülheimer Wohn- und Predigerhaus auch das Denkmal vor der Petrikirche erinnert. Selbst die Vertonung hat ihren Teil Mülheimer Geschichte – und wurde aus Russland vom St. Petersburger Zarenhof importiert, gar über Familienbande der Tochter von Prinzessin Luise! Beim nächsten großen Zapfenstreich denken wir sicher auch einmal an Mülheim!
Weiteres Wissen „to go“: durch die Altstadt floss früher auch die Dimbecke – und der sogenannte Dörpelstein (die Türschwelle) bot den Häusern hier Schutz vor Wasser und Unrat. Bei Familie Schenck im Hagdorn dürfen wir eines von nur noch zwei Hinterhäusern in den Mülheimer Altstadt-Hinterhöfen bestaunen. Ein wahres Kleinod, dass man so sonst nicht zu Gesicht bekommt. Und wer wusste, dass wenn jemand „Mattes inne Mauen hat“ – er oder sie so stark wie Matthias Stinnes sein soll, an dessen Grab wir auf dem ehemaligen Altstadtfriedhof vorbeikommen? Das Ehrenmal „Das Opfer“ von Gerhard Marcks passiert die Gruppe ebenfalls, wie auch die sogenannte Backsteinschule von 1862. Einst war sie städtisches Waisenhaus, heute dient sie als Ausbildungsort für Erwachsene.
Nebenan. die Rahmenschule – ein Beispiel des Klassizismus. Vom damaligen Schulgeld – 4 Silbergroschen pro Monat – musste der Schulleiter einst nicht nur die eventuelle Witwe des Vorgängers versorgen, sondern auch die Hilfskräfte. Kamen die Schüler im Sommer wegen der Erntehilfe nicht, gab es auch kein Geld. So kam unsere kleine Wandergruppe auch schnell auf das Mickesingen – das Mickesingen wurde bei Leichenzügen nämlich von den Gesangsschülern gegen Geld und die namensgebenden Mickebrötchen traditionell geboten.
Überraschend erfahren wir noch, dass aus unserer Mitte ein Mitglied des Geschichtsvereins hier zur Schule ging. Einer musste am Eingang Schmiere bis zum Eintreffen des Lehrers stehen – während die restlichen Jungs Fußball am nahegelegenen Friedhof spielten… Apropos Lehrer: „Alles neu macht der Mai“ stammt ebenfalls aus der Hand eines Mülheimer Lehrers – Hermann Adam von Kamp, der möglicherweise sogar auch die Vorlage für die berühmte Geschichte der „Heidi“ erschaffen hat!
Zum Abschluss liest Anne Kebben im Schatten des Petrikirchenhauses für uns aus der „Jobsiade“ von Carl Arnold Kortum. Das war ein sehr gelungener Spaziergang durch die Mülheimer Altstadt, vielen Dank!












