Von: Beate Fischer
Ein Tag voller Eindrücke, Begegnungen und Geschichte: Unser erstes Tagesziel, das Konrad-Adenauer-Haus in Bad Honnef-Rhöndorf. Die Dauerausstellung vermittelt fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte aus der Sicht einer prägenden Person.
Über 500 Exponate, Filme und Medienstationen ließen Adenauers Leben als Politiker, Familienvater, Gartenliebhaber und Erfinder lebendig werden. Besonders eindrucksvoll waren die drei Leitmotive der Ausstellung: Adenauer als Rheinländer, als Deutscher und als überzeugter Europäer.
Beim Gang durch den Garten, hinauf zum Wohnhaus Adenauers beeindruckte der Blick auf den Rhein und den Drachenfels. Im Inneren vermittelte das Haus mit seinen Büchern, Fotografien und persönlichen Gegenständen eine erstaunlich private Atmosphäre. Hier wurde sichtbar, wie eng bei Adenauer Privates und Politisches miteinander verwoben waren
Unsere beiden Guides führten uns mit großem Wissen, Humor und spürbarer Begeisterung durch die 90 Minuten, beantworteten Fragen, stellten Bezüge zur Gegenwart her und machten deutlich, wie aktuell viele seiner Themen bis heute geblieben sind.
Auf der Fahrt von Rhöndorf rheinaufwärts in Richtung Sayn stimmte uns Michaela Schloemann mit Wissen, Humor und anschaulichen Details auf die Sayner Hütte ein. Somit eine perfekte inhaltliche Brücke zwischen Politikgeschichte und Industriekultur.
Nach so vielen Eindrücken war die Mittagspause in der Sayner Scheune eine willkommene Stärkung. In wenigen Minuten standen über dreißig Mittagessen gleichzeitig auf den Tischen! Alles war frisch, lecker und mit freundlichem Service serviert. Gestärkt ging es anschließend die wenigen Meter fußläufig zur Sayner Hütte. Einem Ort, an dem Industriegeschichte, Architektur und Kultur in faszinierender Weise zusammentreffen. Die Gießhalle, oft als „Kathedrale der Arbeit“ bezeichnet, beeindruckte mit ihren einzigartigen gotischen Formen. Beeindruckend: Alles, was man hier sieht, wurde einst direkt vor Ort gegossen. Die Halle hat sich sozusagen selbst erschaffen.
Höhepunkt der Führung war die wechselvolle Geschichte der Hütte die ab 1865, zu Krupp gehörte. Uns wurde anschaulich erklärt, warum Krupp ein so großes Interesse an dieser Gießerei hatte, welche strategischen und wirtschaftlichen Überlegungen dahinterstanden. Unsere Führerinnen verstanden es, uns mit ihrem Wissen in die Welt der Eisenkunst mitzunehmen. Wir erfuhren, dass die Sayner Hütte im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Gießereien des Berliner Gusses gehörte und die berühmte „Sayner Mücke“, eine winzige gusseiserne Stubenfliege in Originalgröße, als eines ihrer bekanntesten Objekte gilt.
Die Hütte verkörpert, was Karl Ganser mit dem Begriff Industriekultur meinte: Orte der Arbeit werden zu Orten der Erinnerung und Inspiration. Wie im Ruhrgebiet zeigt sich auch hier, dass Industriegeschichte als Teil unserer Kultur lebendig bleibt.Am Tagesende blieben vielfältige Eindrücke, anregende Gespräche und ein abwechslungsreiches Programm. Die Exkursion des Mülheimer Geschichtsvereins bot Geschichte, Politik, Handwerk und gemeinsames Erleben.





Hinweis: Unsere Tour nach Rhöndorf und Sayn ist Teil der Exkursionen des Geschichtsvereins von und für Mitglieder. Weitere Termine werden regelmäßig im Veranstaltungskalender und Rundbrief veröffentlicht.
