Zeitreise in die Broich-Speldorfer Gartenstadt

Marco Molik, Foto: Thomas Emons
Marco Molik, Foto: Thomas Emons

von: Thomas Emons

Mit seinem jüngsten Vortrag zur Mülheimer Stadtgeschichte hat Marco Molik seine Zuhörerinnen und Zuhörer im Haus der Stadtgeschichte auf eine spannende Zeitreise in die Broich-Speldorfer Gartenstadt mitgenommen.

Mit der Villenkolonie im Uhlenhorst, in dem sich nicht nur ein Jagdrevier, sondern auch ein Schießplatz für die 1899 in Mülheim eingerückte Armee befand, wollte die Broich-Speldorfer-Gartenstadt AG (1907-1933) die reichen Steuerzahler der Stadt in Mülheim halten. Die Broich-Speldorfer Gartenstadt AG, deren Aufsichtsrat von dem Bankier Walter Hammerstein (1862-1944) geführt wurde, plante ursprünglich den Bau von mehr als 500 Landhäusern mit einer Mindestgrundstücksgröße von 2500 Quadratmetern. Dass am Ende nur 35 Landhäuser im Uhlenhorst errichtet und die Broich-Speldorfer Gartenstadt AG nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aufgelöst wurde, erklärte Molik mit den wirtschaftlichen Rückschlägen, die der Erste Weltkrieg, die Hyperinflation und die Weltwirtschaftskrise, selbst für so wohlhabende Bauherrn und Bewohner, wie Emil Kirdorf, Fritz Thyssen oder Hugo und Gustav Stinnes mit sich brachten.

Am Beispiel des Hauses Rott zeigte Molik anschaulich, wie Hugo Stinnes, seinen Villenbau im Uhlenhorst, angesichts des Kriegsausbruchs 1914, gleich ein paar Nummern kleiner ausfallen ließ. Dagegen war Hugo Stinnes Verwandter, der Unternehmer Gerhard Küchen, bei seinem Villenbau im Uhlenhorst 1913 noch in die Vollen gegangen. Die Gäste und Mitarbeitenden der dort von 1952 bis 2005 residierenden Evangelischen Akademie wussten dies sehr zu schätzen. Ein privater Grundstückskauf des Jahres 1923, den er 1925 mit einem Verkauf des Grundstücks an die Stadt Mülheim an der Ruhr rückabwickelte, sollte dem Baudezernenten Arthur Brocke (1884-1933) zum Verhängnis werden, bot er den Nationalsozialisten doch den Anlass für eine Rufmordkampagne, die Brocke im September 1933 in den Suizid treiben sollte.

Sehr zu schätzen wissen die Mülheimerinnen und Mülheimer den Uhlenhorst auch als öffentliches Naherholungsgebiet. Der von 1904 bis 1928 an der Spitze der Stadt stehende Oberbürgermeister Dr. Paul Lembke machte es möglich, in dem er den Stadtrat davon überzeugte, ab 1904 für die Stadt Grund und Boden zu erwerben. Einer seiner Nachfolger, Edwin Hasenjäger, ließ 1939 dort ein Wildgehege einrichten. Das fiel aber ebenso, wie das alte Walschlösschen dem Luftkrieg zum Opfer. Denn der Uhlehorst war während des Zweiten Weltkriegs nicht nur ein Ausflugsziel, sondern auch ein FLAK-Standort.

Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang auch, was Molik über den Chauffeur des Industriellen Emil Kirdorf, Heinrich Marx zu berichten wusste. Dieser steuerte mit Kirdorfs Limousine eines der ersten Mülheimer Autos und wurde später zum erfolgreichen Betreiber des alten und neuen Walschlösschens im Uhlenhorst. Wer tiefer ins Thema einsteigen möchte, dem sei das 242-seitige Nachschlagewerk Marco Moliks empfohlen, dass er als Ergebnis seiner dort durchgeführten Recherchearbeit dem Stadtarchiv Mülheim als Buchunikat zur Verfügung gestellt hat.

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