Filmreifes Mülheim

Christoph Wilmer (rechts) und Paul Hofmann am 24. September 2026 im Haus der Stadtgeschichte (Foto: T. Emons)
Christoph Wilmer (rechts) und Paul Hofmann am 24. September 2026 im Haus der Stadtgeschichte (Foto: T. Emons)

von: Thomas Emons

Christoph Wilmer und Paul Hofmann blickten im jüngsten Vortrag in der Reihe zur Mülheimer Stadtgeschichte auf die filmreife Seite unserer Stadt. Dabei fehlte der Hinweis nicht, dass Mülheim in der Spitze 25 Kinos hatte und zwischen 1980 und 2008 Sitz des NRW-Filmbüros war, das über die Filmförderung des Landes zu entscheiden hat. Zusammen mit dem Programmkino Rio, das heute im 2009 eröffneten Medienhaus am Synagogenplatz zu finden ist, residierte das Filmbüro NRW damals im Gebäudekomplex des 1912 eröffneten und 1998 geschlossenen Stadtbades, das heute als Wohnquartier Teil der Ruhrpromenade ist.

Zu den geförderten Filmemachern gehörten auch Mülheimer, wie Reiner Komers (Jahrgang 1944), der sein Atelier bis heute im Schloss Styrum hat, der Ruhrpreisträger und Ehrenbürger Helge Schneider (Jahrgang 1955), Reinald Schnell (Jahrgang 1935), Peter Nestler (Jahrgang 1937) und der Ruhrpreisträger Christoph Schlingensief (1960-2010).

Mit Filmausschnitten, in denen zum Teil auch Mülheim im Besonderen und das Ruhrgebiet im Allgemeinen als Drehort auftauchte, führten Wilmer und Hofmann ihrem Publikum im Haus der Stadtgeschichte die Originalität, Experimentierfreude und Wandlungsfähigkeit der Mülheimer Filmschaffenden vor Augen.

Wie sich Mülheim an der Ruhr unter dem Eindruck des wirtschaftlichen Strukturwandels, in seinem Stadt- und Selbstbild, verändert hat, zeigten die offiziellen Stadtfilme „Ein Tag, wie jeder andere“ aus dem Jahre 1953 und „Das Motiv Mülheim“ aus dem Jahr 1975. Beide Filme sind im Medienzentrum der Stadt digitalisiert worden. Ganz inoffiziell, aber originell und ungeschminkt in Schwarz-Weiß mit musikalischer Untermalung portraitierten die Filmemacher Reinald Schnell und Peter Nestler ihre Heimatstadt Mitte der 1960er Jahre. Dabei unterlegten sie, den Schalk im Nacken, die Spaziergänger an der Ruhr mit dem Rhythmus eines Taktgebers. Das ließ die Zuschauerinnen und Zuschauer schmunzeln und den Kopf darüber schütteln, warum dieser Mülheim-Film vor 60 Jahren den Stadtoberen ein Dorn im Auge war.

Vor diesem Hintergrund wiesen Wilmer und Hofmann darauf hin, dass 80 Prozent des Filmmaterials, das von Mülheimern und über Mülheim gedreht worden ist, noch nicht digitalisiert worden sei und dass die Kenntnis über die analoge Filmvorführtechnik- und Bearbeitungstechnik im Rahmen des sozialen Megatrends der Digitalisierung langfristig verlorengehe.

Nicht unerwähnt lassen konnten Wilmer und Hofmann auch eine Mülheimer Filmgeschichte, die zumindest für Mülheim und den Mülheimer Filmemacher und Sammler Werner Nekes (1944-2017) kein Happyend gefunden hat. Nicht Nekes,  sondern der Wuppertaler KH.W. Steckelings und seine Sammlung fanden Eingang ins das Mülheimer Museum, das im 1904 für das Eisenbahnausbesserungswerk Speldorf errichteten Wasserturm seit 2006 die Vorgeschichte des Films vor Augen führt, die mit der ersten Filmvorführung der Brüder August und Louis Lumiere am 28. Dezember 1895 im Grand Café in Paris begann.

Die aus 25.000 Objekten bestehende Sammlung zu den „visuellen Künsten und des Sehens“ des Mülheimers Werner Nekes ist seit 2020 Teil der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität Köln und des Deutschen Filminstitutes und Filmmuseums in Frankfurt am Main. 

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