von: Ursula Hilberath
Im Museum zur Vorgeschichte des Films, das im September 20jähriges Jubiläum feiert, wird man begrüßt mit: „Sie dürfen an allem was sich bietet, drehen, ziehen, drücken. Aber schauen Sie auch mal an die Decke, oder bücken Sie sich!“
Es ist eine Erfolgsgeschichte: Seit seiner Eröffnung im Jahr 2006 verbindet das Museum zur Vorgeschichte des Films Industriegeschichte, Technikgeschichte und kulturelle Bildung. Der historische Wasserturm im Mülheimer MüGa-Park erinnert an die industrielle Vergangenheit der Stadt. Das Museum macht anschaulich, dass die digitale Medienwelt auf einer langen Geschichte des Beobachtens, Erfindens, Illusionierens und Staunens beruht. Es lädt dazu ein, diese Entwicklung nicht nur zu betrachten, sondern sie mit eigenen Augen und Händen nachzuvollziehen.
Bereits 1992 war im Rahmen der Mülheimer Landesgartenschau die Camera Obscura im Wasserkessel des ehemaligen Eisenbahnwasserturms eingerichtet worden. Der Mülheimer Experimentalfilmer und Medienwissenschaftler Prof. Werner Nekes verband dieses Projekt schon damals mit der Idee eines „Iris-Museums“, in dem Teile seiner umfangreichen Sammlung optischer Objekte gezeigt werden sollten. Aus finanziellen Gründen konnte dieses Vorhaben nicht verwirklicht werden.
Erst vierzehn Jahre später, mit der Eröffnung des Museums im September 2006, erhielt der Wasserturm eine dauerhafte museale Nutzung. Die Camera Obscura wurde durch eine historische Darstellung der Entwicklung zum Film und zur Fotografie ergänzt, gestaltet vom Mülheimer Architekten und Szenografen Prof. Hans-Hermann Hofstadt. Ihre inhaltliche Grundlage bildet die Sammlung „S“ des Wuppertaler Fotografen, Kurzfilmers und Kunstsammlers KH. W. Steckelings.
Die Sammlung umfasst historische Objekte aus der Zeit von etwa 1750 bis 1930. Mehr als 1.100 Exponate veranschaulichen die technischen und kulturellen Entwicklungen, aus denen sich allmählich das bewegte Bild und schließlich das Kino herausbildeten. Historische Originale, Rekonstruktionen und interaktive Stationen machen die Geschichte des Sehens und der Bildmedien unmittelbar erfahrbar. Gemeinsam mit der Architektur des Turms entstand ein Ort, an dem Technikgeschichte anschaulich, verständlich und sinnlich erfahrbar wird.
Die Dauerausstellung erstreckt sich über drei Ebenen. Die erste widmet sich Licht, Schatten und Projektion. Schattenspiele, Zauberlaternen, Anamorphosen und Kaleidoskope zeigen die frühen Formen optischer Illusion. Auf der zweiten Ebene wird die Entstehung der Bewegungsillusion erläutert. Zwirbelscheibe, Lebensrad, Wundertrommel und Daumenkino führen vor Augen, wie aus einzelnen Bildern der Eindruck kontinuierlicher Bewegung entsteht. Die dritte Ebene ist der Frühgeschichte der Fotografie gewidmet. Guckkästen, Stereobetrachter und historische Aufnahmeverfahren veranschaulichen den Weg vom perspektivischen Schaubild zur fotografischen Fixierung eines Augenblicks.
Das Museum richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Schulklassen können an Rallyes und Workshops teilnehmen; außerdem gibt es Angebote für Kindergeburtstage, Gruppen und Firmen. Durch seine Verbindung von eigenständigem Entdecken, historischer Sammlung und praktischer Medienbildung ist die Camera Obscura ein besonderer außerschulischer Lernort. Auch bei (Rad-)touristen aus ganz Deutschland sowie aus den Niederlanden und Belgien ist sie ein besonders beliebtes Ziel.
Zum 20. Jubiläum im September 2026 steht das Museum damit für eine lebendige Form der Kultur- und Technikvermittlung. Es bewahrt die Geschichte früher Bildmedien und lädt zugleich dazu ein, ihre Grundlagen selbst zu erproben. Durch Veranstaltungen, Kooperationen und Bildungsangebote hat es einen festen Platz im kulturellen Leben Mülheims und der Ruhrregion erobert.


