von: Beate Fischer
„Man braucht heute kein Schwert und Sporen mehr, um ritterliche Tugenden zu vermitteln und hochzuhalten. Aber es hilft zu zeigen, was man meint.“
Jens Plettau
Seit Kurzem trägt Jens Plettau einen neuen Namen: Johannes Gunther von Speldorf, Reiher von Dinklar. Unter diesem Ritternamen ist er künftig in der Freien Ritterschaft Niederrhein unterwegs. Mitte Mai wurde er im Kreis der Ritterschaft feierlich zum Ritter geschlagen.
Wer Jens Plettau im Historischen Museum Schloß Broich begegnet, lernt seine Begeisterung für das Mittelalter kennen. Mit großem Wissen und viel Leidenschaft lässt er historische Zusammenhänge lebendig werden und nimmt Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise in vergangene Zeiten.
Es überrascht daher kaum, dass ihn sein Weg schließlich bis zum Ritterschlag geführt hat. Der Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr freut sich deshalb besonders für Jens. Nach Jahren als Knappe war nun der Tag gekommen, auf den er sich lange gefreut hatte.
Wie es bei der Freien Ritterschaft Niederrhein Tradition ist, begann dieser besondere Tag mit Aufgaben im Dienst der Gemeinschaft. Dazu gehörten das Sammeln von Spenden für einen guten Zweck sowie die Vorbereitung und Pflege der Ausrüstung. Es folgten die Rasur und die symbolische Waschung. Im Büßergewand führte sein Weg anschließend gemeinsam mit Mitgliedern der Ritterschaft zum Xantener Dom. Dort standen Besinnung und Gebet im Mittelpunkt, die Ruhe vor einem besonderen Schritt auf dem Weg vom Knappen zum Ritter.
Währenddessen liefen im Lager die letzten Vorbereitungen. Banner und Schilde wurden aufgestellt, befreundete Lager trafen ein und zahlreiche Wegbegleiter versammelten sich, um diesem besonderen Ereignis beizuwohnen.
Als Jens Plettau schließlich vor die versammelte Ritterschaft geführt wurde, erhielt er noch einmal die traditionellen Ratschläge und Erinnerungen an die Werte, die mit dem Ritterstand verbunden werden:
Ehre, Mut, Verlässlichkeit und Verantwortung. Mit der symbolischen letzten Ohrfeige seines Ritters endete seine Zeit als Knappe.
Als Ritter trägt er künftig den Namen Johannes Gunther von Speldorf. Speldorf gehörte einst zur Herrschaft Broich und teilte über Jahrhunderte deren Geschichte. Dass heute ein Ritter von Speldorf regelmäßig in Schloß Broich anzutreffen ist, wirkt deshalb fast wie eine kleine historische Pointe.
Wer nun neugierig geworden ist und mehr über die Geschichte seines Ritternamens Johannes Gunther von Speldorf, Reiher von Dinklar erfahren möchte, hat gute Chancen, ihn dort selbst danach zu fragen.
Manchmal beginnt Geschichte eben direkt vor der eigenen Haustür.
„Sich die Sporen verdienen“ – ein Erbe der Ritterzeit
Der Weg vom Knappen zum Ritter war im Mittelalter mit Lernen, Übung und Bewährung verbunden. Erst wer sich über Jahre bewiesen hatte, konnte in den Ritterstand aufgenommen werden. Mit dem Ritterschlag erhielt der neue Ritter unter anderem seine Sporen, ein sichtbares Zeichen seiner Würde. Daraus entstand die bis heute gebräuchliche Redewendung „sich die Sporen verdienen“.
Auch wenn heute niemand mehr Ritter werden muss, wird der Ausdruck noch immer verwendet, wenn sich jemand durch Engagement, Ausdauer und Leistung Anerkennung erworben hat.
Im Zusammenhang mit Jens‘ Ritterschlag bekommt diese Redewendung eine ganz besondere und sehr ursprüngliche Bedeutung.
