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Ein revolutionärer Architekt für das „Dorf“

Aussenansicht Rathaus Fliednerdorf, Quelle: Theodor Fliedner Stiftung
Aussenansicht Rathaus Fliednerdorf, Quelle: Theodor Fliedner Stiftung

von: Günter Fraßunke

„Ich habe gelernt, dass Straßen und Plätze aus dem modernen Städtebau verschwunden sind und mit ein paar Beispielen habe ich versucht zu zeigen, wie man es machen könnte – wie man eine Stadt wieder flicken könnte. Nie gegen die Stadt arbeiten! Die meisten unserer modernen Eingriffe sind Beleidigungen gegen die Tradition der Stadt.“ 

Dieses Zitat ist Bestandteil eines Nachrufs im Deutschlandfunk, gesendet am 24. November 2023.
Die Rede ist von dem Architekten und Stadtplaner Prof. Dipl.-Ing. Rob Krier. Wer sich auf seine Spuren begibt, kommt irgendwann nach Selbeck im Mülheimer Süden. Zwischen der Bundesstraße 1 und einem Naturschutzgebiet befindet sich das Fliednerdorf, eine Einrichtung für rund 600 alte und junge Menschen mit und ohne Behinderung. Das integrative Wohnkonzept dieses Dorfes bietet den ganz normalen sozialen Austausch, gleichzeitig folgt es den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohnern nach Schutz und Geborgenheit.

Wer war Rob Krier und warum wurde er mit der Planung des Dorfes betraut?
Rob Krier, geboren 1938 im luxemburgischen Grevenmacher, gestorben 2023 in seiner Wahlheimat Berlin war Stadtplaner, Architekt und Bildhauer. Nach seinem Architekturstudium in München begann er eine Lehrtätigkeit in Stuttgart. Einer seiner Studenten berichtet, er habe sich am Fallbeispiel von Stuttgart kritisch mit den Stadtstrukturen der Nachkriegsmoderne auseinandergesetzt und aus den Vorbildern historischer Städte neue Straßen- und Platzräume für das Leben in der Stadt entwickelt. 1975 veröffentlichte er seine Untersuchungen in dem Buch „Stadtraum in Theorie und Praxis“, international bekannt als „Städtebaubibel der Postmoderne“.

Einer seiner Schüler bezeichnete Krier als „Feuerkopf und charismatischen Lehrer“, der seinen Studierenden in den 1970er Jahren den „riesengroßen Unterschied zeigte zwischen dem, was historischer Städtebau leistete, und dem, was moderner Städtebau damals zu leisten in der Lage war“. Krier sah die Nachkriegsentwicklung kritisch und offenbar die modernen verödeten, sprachlosen Innenstädte und Wohnsiedlungen voraus.

Sein Traum einer großen Wende im Städtebau – die Postmoderne – ging jedoch nur in geringem Maße in Erfüllung. Kriers Beiträge – die IBA in Berlin, Potsdam-Kirchsteigfeld als eines der größten Bauvorhaben Ostdeutschlands. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt aber in den Niederlanden und Luxemburg und blieben Einzelerscheinungen. Die baulichen Veränderungen Berlins in den Jahren kurz vor seinem Tod nannte er „repetitiven (sich wiederholenden) Dreck“ und „Todsünden“. Er fand, Berlin verspiele damit das Kulturerbe deutscher Baukunst. (Der Spiegel)

Viele seiner Bauten und Plätze schmückte Rob Krier mit seinen bildhauerischen Werken. In der Auflistung seiner Werke bei Wikipedia wird „1989–1991: Das Dorf, Mülheim an der Ruhr“ ausdrücklich erwähnt. Seine Skulpturen im öffentlichen Raum, sind meist in Bronzeguss und als unvollständige menschliche Körper gestaltet. So trägt auch das Kruzifix in der Fliednerkirche unverkennbar die Handschrift von Rob Krier.

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