Ein Palazzo für das Ruhrvenedig –100 Jahre Mülheimer Stadthalle

Die neuerbaute Stadthalle, ein "Palast am Ruhrufer", 1926 (Quelle: Stadtarchiv)

Eine Ausstellung des Stadtarchivs
im Haus der Stadtgeschichte

15. Januar bis 1. Juni 2026

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 10:00 – 20:00 Uhr
Samstag, Sonntag geschlossen

Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestand in der Mülheimer Bürgerschaft der Wunsch nach nach einem repräsentativen Ort für kulturelle und sonstige Veranstaltungen. Neidisch blickte man zu den Nachbarn nach Essen oder Elberfeld, wo in dieser Zeit prunkvolle städtische Säle geplant und gebaut wurden. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs sowie die unruhigen Nachkriegsjahre verzögerten das Projekt bis 1922, als nach einem deutschlandweiten Wettbewerb das Architekturbüro Pfeifer & Großmann durch Mülheims Oberbürgermeister Lembke den Auftrag zum Bau einer Stadthalle erhielt. Von Herbst 1923 bis Ende 1925 entstand auf dem Broicher Ruhrufer ein prunkvoller Saalbau, der am 5. Januar 1926 feierlich eingeweiht wurde. Zeitgenossen fühlten sich beim Anblick an einen venezianischen Uferpalast erinnert. Die neue Stadthalle ergänzte das an der Ruhr bereits vorhandene Ensemble von Stadtbad, Schlossbrücke und Rathaus, so dass bald scherzhaft die Rede von einem „Ruhrvenedig“ war.

Mit der Einweihung des Stadthallenbaus am 5. Januar 1926 fand das Mülheimer Kulturleben eine neue Heimat. Bis dahin hatten Veranstaltungen häufig in Festsälen von Gaststätten stattgefunden und waren nicht städtisch, sondern von Vereinen und Privatpersonen organisiert. So fanden Theateraufführungen im Centralhallen-Theater von Albert Mentzen und klassische Konzerte sowie Opernabende im Saalbau von Matthias Kirchholtes, der sogenannten „Sinfoniescheune“, statt. Städtische Zuschüsse waren üblich und notwendig, aber ansonsten hielt sich die öffentliche Hand bei der Kulturorganisation zurück. Der Ruf nach einer städtischen Regie sowie einer repräsentativen Spielstätte wurde in den bürgerlichen Kreisen laut und sorgte für die Planung und den Bau einer Stadthalle.

Schon vor der Fertigstellung ging die Kulturverwaltung an den Start: Für die Saison 1925/26 wurde mit dem Städtischen Orchester Duisburg eine Abonnementreihe für Sinfoniekonzerte ins Leben gerufen. Dazu gab es eine Kammermusikreihe, Theatergastspiele des Düsseldorfer Ensembles (ab der Saison 1926/27) sowie Vortragsreihen mit wissenschaftlichen Vorträgen.

Namhafte Persönlichkeiten wie Wilhelm Furtwängler (mit den Berlinern Philharmonikern), Gustav Gründgens (im Rahmen der Theatergastspiele) sowie Sven Hedin und Max Planck (als Vortragsredner) waren in den kommenden 17 Jahren zu Gast in Mülheim. Aber auch für Kongresse, Tagungen und Messen aller Art war Mülheim ein interessanter Austragungsort, der gerne gebucht wurde.

Die Zerstörung der Stadthalle durch Bomben am 22./23. Juni 1943 bereitete den Veranstaltungen vorerst ein Ende. Mit der Wiedereröffnung am 11. Oktober 1957 fand das kulturelle Leben seinen Weg zurück und ist heute so rege wie in den Anfängen.

Die Ausstellung des Stadtarchivs zum 100. Geburtstag der Stadthalle zeigt mit Fotografien und Plakaten das Gebäude von 1926 sowie die Vielfalt der Veranstaltungen der letzten 100 Jahre, mit einem Schwerpunkt auf der Blütezeit der 1920er und 1930er Jahre.

Der große Saal ("Festsaal") der Stadthalle, 1926 (Quelle: Stadtarchiv)
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