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Vom Siegel zum Stadtwappen

Das Mülheimer Stadtwappen
Stadtwappen der Stadt Mülheim an der Ruhr, Quelle: Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr

Von: H.D. Strunck

Warum der damalige Bürgermeister Karl von Bock und Polach um 1880 ein dem heutigen Stadtwappen ähnliches Symbol in seinen Briefkopf aufnahm, wissen wir nicht. Vielleicht wollte er die Bedeutung der jungen aufstrebenden Stadt hervorheben und es vergleichbaren Gemeinden gleichtun. Bis es letztlich zu unserem heutigen schönen Stadtwappen kam, war ein langer Weg.

Als sich nach 1900 abzeichnete, dass Mülheim bald Großstadt sein würde, bemühte sich Oberbürgermeister Dr. Paul Lembke bei den zuständigen vorgesetzten Stellen nicht nur um eine richtige Schreibweise des Namens der Stadt, auch die Form und Ausstattung eines Wappens der Stadt sollte geklärt werden. Verwaltungsmühlen mahlen oft langsam und so dauerte es rund 30 Jahre bis sich die Stadt entschloss, das Wappen des Broicher Grafen Wilhelm Wyrich, das er 1648 im Schloss Broich anbringen ließ, in modifizierter Form als offizielles Stadtwappen zu übernehmen. Den Auftrag zur künstlerischen Gestaltung erhielt 1938 der Mülheimer Maler Daniel Traub, der anstelle der Adelskrone eine stilisierte Stadtmauer über das Wappenfeld setzte.

Das Stadtwappen ist Zeugnis eines Teils der Mülheimer Geschichte.

 

Die Reihenfolge der einzelnen Wappen-Felder entspricht dem Namen des Broicher Grafen:
Wilhelm Wyrich von Daun, Graf zu Falkenstein und Limburg, Herr zu Oberstein, Broich und Reipoltskirchen. Dazu liefern die Historiker die geschichtlichen Daten: Im 12. Jahrhundert saß auf Schloß Broich ein Edelherrengeschlecht gleichen Namens, das als Wappen ein goldenes Schildchen im roten Felde führte. Die Einfachheit der Form spricht für ein hohes Alter.

 

Lucardis, die Erbtochter von Broich heiratete 1371 den Grafen Dietrich von Limburg und so kam dieser in den Besitz von Broich. Die Grafen von der Burg Hohenlimburg an der Lenne, führten in einem silbernen Schild den roten Löwen. Vier Generationen später starb dieses Geschlecht im Mannesstamm aus. Es folgte die Nichte Irmgard von Sayn, die um 1500 den Besitz von Schloß und Herrschaft Broich ihrem Gatten Wirich V. von Daun, Graf zu Falkenstein und Herrn zu Oberstein, zubrachte. Damit traten die Daun-Falkensteiner die Herrschaft über unser Heimatgebiet an und blieben bis zum Jahre 1682 die Herren von Schloß Broich.

Alle Dauner Grafen siegelten am Anfang mit einem einfachen roten Schräggitter in goldenem Feld; erst Graf Johann Adolf (1581-1624) erweiterete das Wappen im Jahre 1617 um das Wappen der inzwischen ausgestorbenen Grafen von Falkenstein (am Donnersberg in der Pfalz), deren Besitz nach mehrfachem Wechsel schließlich an sein Geschlecht gefallen war. Sein Sohn Wilhelm Wirich siegelte ab 1641 schon mit einem fünffeldrigen Wappen mit dem Dauner Gitter als Herzschild in der Mitte und den Wappen von Oberstein und Broich. Nachdem er durch Erbschaft auch die Herrschaft über die Häuser Daun und Hohenfeld-Reipoltskirchen angetreten hatte, stellte er ein ganz neues sechsfeldriges Wappen zusammen, wie wir es jetzt als unser jetziges Stadtwappen kennen.

Wer genau hinschaut wird auch erkennen, woher sich unsere Stadtfarben Gelb und Rot ableiten: Das gelbe Broicher Wappen liegt im roten Feld. Sage da noch einer, wir seien nicht geschichtsbewusst!

Manchmal wenigstens.

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