Der erste Mülheimer Weihnachtsmarkt

Die Schloßstraße in weihnachtlicher Beleuchtung in den 1970er Jahren (Foto: Walter Schernstein)
Die Schloßstraße in weihnachtlicher Beleuchtung in den 1970er Jahren (Foto: Walter Schernstein)

von: Thomas Emons

Alle Jahre wieder kommt der Weihnachtsmarkt auf die Schloßstraße und scheidet die Geister. „Viel Essen, wenig Kunsthandwerk“, klagen die einen. „Viel Lichterglanz und Tannengrün“, loben die an­deren. „Besser als nichts“, sagen die Pragmatiker.

45 Jahre ist es her, dass der damalige Oberbürgermeister Dieter aus dem Siepen am 29. November 1978 den ersten Weihnachtsmarkt auf der Schloßstraße eröffnete. Um Punkt 16 Uhr setzte er, musikalisch begleitet von der Schildberger Sing- und Spielschar, per Knopfdruck die damals aus 12.000 Glühbirnen bestehende Weih­nachtsbeleuchtung in Gang. 112 Geschäftsleute aus der Innenstadt hatten sich den Lichterglanz an der Schloß- und Wallstraße, am Kohlenkamp, im Löhberg, am Viktoriaplatz und am City-Center insgesamt 140.000 Mark kosten lassen.

Dies geschah nicht ganz uneigennützig, hatten Mülheims Nachbarstädte doch schon früher die Kundenmagneten Weihnachtsmarkt und Lichterglanz für sich entdeckt. Und so stellte Oberbürgermeister aus dem Siepen in seiner Eröffnungsansprache auf der 40 Quadratmeter großen Brunnen-Bühne am Viktoriaplatz fest: „Es geht nicht nur um vorweihnachtliche Stimmung, sondern auch darum, Käufer anzuziehen und die Innenstadt ins rechte Licht zu rücken.“

„Markt und Straßen sind durchaus nicht verlassen“ stellte die Presse am Tag nach der Eröffnung angesichts des enormen Publikumsandrangs fest. Den neuen Weihnachtsmarkt werteten kritische Stimmen als „eine Mixtur aus Kirmestreiben, nostalgischem Budenzauber und Brat­wurstduft.“ Die vorweihnachtliche Straßenbeleuchtung, die Elek­­triker der Starkstromanlagengesellschaft im Laufe des Monats November mit Hilfe von Hebebühnen und unter den neugierigen Blicken von Passanten montiert hatten, wurde als „schlicht, aber in ihrer Massierung beeindruckend“ charakterisiert.

Beeindruckend war das Angebot, das 40 Händler in ihren Holzhäuschen damals auf die Schloßstraße brachten. Kontakte und Know-How der Kölner Alter Markt Veranstaltungs GmbH machten es möglich. Neben den unentbehrlichen Imbissständen, aus denen am Viktoriplatz ein Fisch-Dampfer herausragte, fand man damals auf dem Weihnachtsmarkt zum Beispiel Kerzenzieher, Marionettenbauer, ein Hippodrom, ein historisches Kinderkarussell, ein Holland-Dorf mit Delfter Kachelmachern, Glasbläser oder auch Keramiker, Holzschnitzer und Flechter von Biedermeiersträußen.

„Der erstmals in diesem Jahr auf der Schloßstraße stattfindende Weihnachtsmarkt“, hieß es in einer ersten Bilanz der Chronisten des Illustrierten Stadtspiegels, „bewirkte, dass sich auch in den Abendstunden noch zahlreiche Käufer und Schaufensterbummler einfanden. Die Aussteller boten eine vielfältige Auswahl, was die Qual der Wahl oft nicht einfacher machte.“

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