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Der 100.000ste Mülheimer wird geboren

Schreiben an Familie Höhborn, Quelle: Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr

Von: Thomas Emons

Was macht eine Stadt zur Großstadt? Darüber lässt sich trefflich streiten, auch mit Blick auf Mülheim, das manche angesichts seiner Überschaubarkeit auch als „kleine Großstadt“ bezeichnen. „Mülheim ist ein Dorf, in dem jeder jeden kennt“, sagen andere. Das ist die gefühlte Wirklichkeit. Fakt ist: Ab 100.000 Einwohnern gilt eine Stadt als Großstadt. Das war auch schon so, als am 9. April 1908 mit Hermann Hans Höhborn der 100.000ste Mülheimer das Licht der Welt erblickte. Er war einer von zehn Söhnen des Schmieds und Schlossers Robert Höhborn und seiner Frau Mathilde. Dass er auch der 100.000ste Bürger war, stellte man fest, als die Geburt des kleinen Hermann Hans am 13. April 1908 beim Standesamt eingetragen wurde. 

Der 100.000ste Mülheimer kam gerade recht. Denn Mülheim feierte 1908 seinen 100. Stadtgeburtstag. Und deshalb wollten auch die Stadtväter den neuen Erdenbürger gebührend willkommen heißen. Verbunden mit dem Wunsch, „dass er zu einem echten deutschen Mann und treuen Sohne seiner Vaterstadt“ heranwachsen möge, schenkte ihm die Stadt ein Sparkassenbuch mit 300 Mark. Dieser Geldsegen sollte ihm allerdings erst nach seiner Volljährigkeit zuteil werden. Doch wie das Leben so spielt. Es kam alles anders, als von den Stadtvätern geplant. Denn Hermann-Hans Höhborn wurde zwar noch in der katholischen Volksschule am Muhrenkamp eingeschult. Doch schon kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges zog seine Familie nach Duisburg. Aber als er 18 Jahre alt wurde, erinnerte sich Hermann-Hans an sein Mülheimer Geburtstagsgeschenk. Er investierte 20 Pfennig in eine Straßenbahnfahrt, um Oberbürgermeister Paul Lembke, der immer noch im Amt war, einen Besuch abzustatten. „Denn“, so erinnerte er sich später: „ich hatte damals Freunde, die führten einen aufwendigen Lebenswandel. Und ich hatte wieder mal kein Geld.“ 

Oberbürgermeister Lembke war zwar erstaunt ob des unerwarteten Spätheimkehrers, aber nicht knauserig und schenkte ihm immerhin 100 Mark. Hermann-Hans Höhborn, der später als Plakatmaler und Werbegrafiker in Lübbecke lebte, kehrte übrigens noch einmal nach Mülheim zurück. 

1983, zwei Jahre vor seinem Tod, war er Ehrengast, als die Stadt ihren 175. Geburtstag feierte. Damals hatte Mülheim bereits 190.000 Einwohner und die 200.000 schon fest im Blick. Doch es sollte anders kommen, wie wir 172.000 Mülheimer heute wissen.

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