Der KulturRing Mülheim – ein HistoWalk mit der Ruhrbahn

Haltestelle Witthausbusch mit KulturRing-Hinweisschildern, Quelle: Jasmin Reinholz
Haltestelle Witthausbusch mit KulturRing-Hinweisschildern, Quelle: Jasmin Reinholz

Von: Danny Gießner

Im Rahmen der HistoWalks-Reihe des Geschichtsvereins Mülheim kombinierten etwa 30 Mitglieder am 11. Oktober 2025 sowohl Wege zu Fuß als auch Stationen mit dem Bus – und erlebten in gut drei Stunden auf den Spuren des KulturRings der Ruhrbahn zahlreiche Eindrücke aus Architektur und Natur im Mülheimer Stadtgebiet.

Die Gruppe traf sich zum Start am zentralen Marktplatz des Stadtteils Heißen.

Heißen Kirche

Hier wurde auch das Konzept des KulturRings einmal von den Erfindern Gaby und Klaus vorgestellt. Der KulturRing wurde von der Ruhrbahn mit dem Ziel entwickelt, 55 Sehenswürdigkeiten aus Architektur, Kultur und Natur miteinander zu verbinden und über den öffentlichen Nahverkehr der Buslinien 129 und 139 sowie der Straßenbahn-Linie 112 individuell erreich- und erlebbar zu machen.

Bereits der Start an der ehemaligen Bürgermeisterei und an der Heißener Gnadenkirche brachten erste spannende Informationen für die Teilnehmer – wer wusste schon, dass die Kirche gleich noch zweimal analog dem Heißener Modell gebaut wurde, und man deswegen auch von den „Mülheimer Dreigleichen“ spricht?
Mit der Buslinie 139 ging es weiter zur Siedlung Mausegatt.
 

Siedlung Mausegatt

Die ehemalige Bergarbeitersiedlung für die Kumpel der nahen Zeche Wiesche mit deren Familien ist heute über mehrere Straßenzüge und den verbindenden „pädges Wegen“ (kleinen Wegen) ein Kleinod der Industriekultur und wird von den Einwohnern liebevoll gepflegt. Früher wohnten in den gut 100 Häusern über 1.000 große und kleine Mülheimer.

Das Verzeichnis der Straßennamen auf unserer Website führt hier übrigens auf:

Das Flöz Mausegatt, soviel wie Mauseloch, soll seinen Namen bekommen haben, weil es wegen geologischer Störungen Ähnlichkeit mit dem gewundenen Gang einer Feldmaus hat. Ob es hier – wie oft gesagt wird – besonders viele Mäuse gab, sei dahingestellt. – In den Jahren 1900 bis 1905 wurde hier die jetzt unter Denkmalschutz stehende Siedlung der Zeche Wiesche errichtet.“

Nächster Stopp für die Teilnehmer nach einigen Haltestellen mit der Buslinie 139 war der Witthausbusch.

Witthausbusch

Der Arche-Park im Witthausbusch als größter Stadtpark Mülheims bietet mit Wildgehege, Streichelzoo und einer Freizeitstation gleich mehrere spannende Konzepte für Freizeit und Bildung – wie wir lernten: bereits der kleinsten Mülheimer im Kindergarten-Alter.

Einer der acht Spaziergänge des Kulturrings startet hier im Grünen und führt in gut anderthalb Stunden auf ca. 4,6km durch den Witthausbusch.

Im Witthausbusch gab es für die Gruppe Gelegenheit für eine kurze Stärkung bei Waffeln und Co, bevor es weiter zum Altstadtfriedhof ging – ab jetzt zu Fuß. Auf dem Weg zum Altstadtfriedhof passierten wir das Ruhr-Reeder-Haus – das im Volksmund auch Haus der 500 Fenster genannte ehemals höchste Gebäude der Stadt Mülheim hat ebenfalls einen eigenen Artikel bei uns auf der Website.

Altstadtfriedhof

Der Altstadtfriedhof ist seit 1812 die letzte Ruhestätte bedeutender Familien mit Wurzeln und Wirken in Mülheim – wie Stinnes, Thyssen und Troost. Auch das Mahnmal für die Opfer der Weltkriege von Gerhard Marcks aus dem Jahr 1968 ist hier zu besuchen. Urnenbestattungen und Patenschaften geben dem Friedhof neue Impulse, während die großzügige Grünanlage des Friedhofs inmitten der Stadt auch für Spaziergänge genutzt werden kann – eine schöne Erfahrung. Dank des freundlichen Herbstwetters auch für unsere wissbegierige Reisegruppe.

Beim Verlassen des Friedhofs hörten wir noch in eine unserer Podcast-Folgen rein, die von einem Mülheimer auf Mundart gesprochen wird. Der besagte Mölmsche hatte wohl keine Lust mehr, einfach so auf dem Friedhof zu liegen – und erkundigte sich einmal nach dem aktuellen Stand der Mülheimer Erinnerungen aus seinem Leben.  Die Geschichte von Chird Hardering wird dabei von unserem Mülheimer Geschichtsvereinsmitglied Friedrich Wilhelm von Gehlen vertont, hier zum Nachhören: Dän Aule – Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr.

20er Jahre Architektur rund um die Von-Bock-Straße

Die letzte Station unseres HistoWalks wird von den Bauten der 1920 Jahre des letzten Jahrhunderts geprägt: entlang von Oberstraße und Von-Bock-Straße entdecken wir die Spuren von Theodor Suhnel, der im Mai 1965 in Mülheim an der Ruhr verstarb und hier als deutscher Architekt ganze Straßenzüge mit modernen Wohnhäusern konzipierte. Weitere Gebäude wie die Realschule Stadtmitte zeigen herausragende Beispiele für prägende Architektur der 1920er Jahre mit Wohn-, Schul- und Verwaltungsgebäuden.

Zurück nach Heißen ging es mit der U-Bahn-Linie U18. Dort verabschiedeten wir uns nach dieser kurzweiligen, aber intensiven Tour von allen Teilnehmern. Dieser HistoWalk lebte auch von den Erinnerungen und Beiträgen der gesamten Gruppe, von den vielen weiteren persönlichen Eindrücken und wunderbaren Impulsen – herzlichen Dank an alle, die dabei waren!

Wir bedanken uns auch bei der Ruhrbahn sehr herzlich für die Unterstützung dieses ganz besonderen HistoWalks! Weitere Details zu den vielfältigen Sehenswürdigkeiten auf dem Mülheimer Stadtgebiet finden sich auf der Website des KulturRings – inklusive erläuternder Begleittexte, zahlreicher Fotos, und detaillierten Angaben zu den acht ergänzenden Spaziergängen über die Plattform Komoot.

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