Von: Thomas Emons
Aus gutem Grund ist die Mülheimer Ärztin Dr. Irmel Weyer mit ihrem Kollegen und Gesinnungsgenossen Albert Schweitzer verglichen worden.
Ihr Lambarene heißt Litembo und liegt in Tansania. Dort hat sie in den Jahren 1960 bis 1996 eine Klinik auf- und ausgebaut, die mit ihren 320 Betten und ihren in England, Österreich und Deutschland ausgebildeten Ärzten heute zu den angesehensten Krankenhäusern des ostafrikanischen Landes.
Begonnen hatte Weyer ihre, zunächst von zwei deutschen Krankenschwestern unterstützte Arbeit im November 1960. Damals musste sie ihre ersten Operationen noch in Schein einer Taschenlampe ausführen. „Ich wollte immer Menschen helfen. Und ich wollte es dort tun, wo es bisher noch niemand anderes getan hat. Und ich hätte nie geglaubt, dass mir so viele Menschen dabei helfen werden“, erklärte Weyer 2010 im Interview mit der Mülheimer Lokalpresse.
Hilfe bekam die katholische Christin unter anderem aus ihrer Heimatgemeinde St. Engelbert. Dort, wo sie, in der Zeit des Nationalsozialismus, Teil der unter staatlicher Beobachtung stehenden Katholischen Jugend war, gründete ihr wichtigster Lobbyist, Pastor Erich Endlein, 1967 einen Förderverein zur Unterstützung ihrer Arbeit in Litembo. Dieser Förderverein ist inzwischen zur Dr.-Irmel-Weyer-Stiftung geworden.
Damit wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass die Arbeit Weyers in Litembo fortgesetzt und weiterentwickelt werden konnte, nach dem sich die damals 69-jährige Ärztin 1996 in den Ruhestand zurückgezogen hatte, um im niedersächsischen Ostercappeln ihre ältere Schwester pflegen zu können. Bis zu ihrem Tod, im gesegneten Alter von 98 Jahren, blieb Irmel Weyer, die nach ihrem Abitur an der Luisenschule in Passau und Regensburg Medizin studiert hatte und dort über die Benediktinerinnen den Weg nach Litembo gefunden hatte, auch ihrer Heimatstadt Mülheim an der Ruhr eng verbunden. Bis zu ihrem Lebensende hatte Dr. Irmel Weyer eine Mülheimer Adresse an der Aktienstraße. Auch für sie gilt Albert Schweitzers Erkenntnis: „Das schönste Denkmal, dass sich ein Mensch setzen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen!“
Ein Rückblick in die 1960er Jahre: Dr. Irmel Weyer als Ärztin in Litembo. Foto: Dr.-Irmel-Weyer-Stiftung
