Von: Thomas Emons
Er war ein Helfer Hitlers und wurde zu dessen Gegner: Vor 75 Jahren ist Fritz Thyssen gestorben.
Der älteste Sohn des Industriellen August Thyssen trat nach einem Ingenieurstudium 1898 in die Leitung des väterlichen Unternehmens ein. Zwei Jahre später heiratete er seine Verlobte Amelie Zurhelle, mit der er eine Tochter (Anita) hatte.
Im passiven Widerstand gegen die französische Ruhrbesetzung wurde der damals 50-Jährige politisch populär. Ein Jahr später zog der konservative Katholik für die Deutschnationale Volkspartei in den Rat der Stadt Mülheim ein.
1926, im Todesjahr seines Vaters, brachte er sein Firmenerbe in die neu gegründeten Vereinigten Stahlwerke ein und wurde deren Aufsichtsratsvorsitzender. Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise trat Thyssen 1931 von der DNVP zur NSDAP über. Ein Jahr später ermöglichte er Hitler eine Rede im Düsseldorfer Industrieclub und setzte sich beim Reichspräsidenten Paul von Hindenburg für eine Kanzlerschaft des NSDAP-Führers ein, der bei der Reichspräsidentenwahl 1932 Hindenburg unterlegen war.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zog Fritz Thyssen als Abgeordneter in den gleichgeschalteten Reichstag ein. Vergeblich versuchte er 1939, Göring und Hitler von einer politischen Kurskorrektur zu überzeugen.
Zu spät erkannte Fritz Thyssen, dass er mit Adolf Hitler einen Mann politisch und finanziell unterstützt hatte, der mit seiner Politik der Judenverfolgung und der Kriegsführung Deutschland in den Untergang führen würde.
Vom Anhänger zum Gegner des NS-Regimes geworden, flohen Fritz Thyssen, seine Frau, seine Tochter und sein Schwiegersohn Gabor Graf Zichy 1939 in die Schweiz und von dort aus nach Frankreich.
Dort diktierte Thyssen dem US-Journalisten Emery Reves seine Autobiografie, die 1941 unter dem Titel: „I paid Hitler“ in den USA erschien.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich Amelie und Fritz Thyssen bereits in Haft, während ihre Tochter und ihr Schwiegersohn rechtzeitig nach Argentinien geflohen waren. Bis zum Kriegsende wurde das Ehepaar Thyssen, mal in einem Sanatorium, mal in Konzentrationslagern interniert.
Für Fritz Thyssen ging die Gefangenschaft auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weiter, diesmal inhaftiert und bewacht von den Amerikanern.
Erst 1950 konnte das Ehepaar Thyssen zu seiner Tochter und seinem Schwiegersohn nach Argentinien ausreisen, nachdem Fritz Thyssen als „minderbelastet“ eingestuft und mit einer Geldbuße von 500.000 DM belegt worden war. Am 8. Februar 1951 verstarb Fritz Thyssen in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires an den Folgen eines Herzschlages.
Heute erinnert neben der Fritz-Thyssen-Straße in Mülheim an der Ruhr auch die 1959 von seiner Frau und seiner Tochter ins Leben gerufenen Fritz-Thyssen-Stiftung für Wissenschaftsförderung an den Mülheimer Industriellen, der tragischerweise zu spät erkannte, dass er auf einem politischen Irrweg unterwegs war.
