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Hugo Stinnes (1870-1924): Ein „Kaufmann aus Mülheim“

Hugo Stinnes, Quelle: Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr

Von: Thomas Emons

„Wäre ich ein Arbeiterkind gewesen, wäre ich jetzt ein Gewerkschaftsführer“, hat er einmal gesagt. Doch Hugo Stinnes wurde am 12. Februar 1870 eben nicht als Arbeiterkind, sondern als zweiter Sohn des Mülheimer Unternehmers Hermann Hugo Stinnes und seiner Frau Adeline Coupienne in Mülheim geboren. Als Hugo das Licht der Welt erblickte, hatte der Name Stinnes nicht nur in der Mülheimer Wirtschaft einen guten Klang. Das 1808 von Hugos Großvater Mathias gegründete Familienunternehmen hatte mit Bergbau, Handel und Schiffstransporten bereits gutes Geld verdient. Das unternehmerische Talent seiner Familie hat Hugo offensichtlich mit der Muttermilch aufgesogen. Denn auch seine Mutter stammte aus einer Mülheimer Unternehmerfamilie, die bereits Anfang des 19. Jahrhunderts im Bergbau und in der Lederindustrie ihr Vermögen gemacht hatte.

Anders als sein drei Jahre älterer Bruder Heinrich, der später eine Beamtenlaufbahn einschlug, entwickelte Hugo schon früh und zur Freude seiner Eltern Geschäftssinn, naturwissenschaftliche Neigungen und die Ambition, etwas Großes zu schaffen. Sehr zur Freude des kleinen Hugo schenkte ihm sein Vater ein kleines Chemielabor, um die Experimentierfreude seines Sprösslings zu fördern.

Das zahlte sich aus. Denn nach dem Abitur, das Hugo 1888 am Realgymnasium, der heutigen Karl-Ziegler-Schule, bestand, sollte er in Berlin Chemie und Bergbau studieren. Letzteren hatte er schon vor seinem Studium und nach einer kaufmännischen Lehrzeit in einer Koblenzer Handelsfirma über und unter Tage in der Mülheimer Zeche Wiesche kennen gelernt.

Hugos Lehr- und Studienjahre blieben kurz und unvollendet. Nach dem frühen Tod seines geliebten Vaters (1887) musste und wollte Hugo schnell in die Führung des Familienunternehmens einsteigen. Das tat er bereits 1890 als Prokurist. Doch Streitigkeiten mit seinem Vetter Gerhard Küchen, der sich 1913 im Uhlenhorst eine Villa erbauen ließ, die später zur Evangelischen Akademie werden sollte, führten 1892 dazu, dass Hugo mit finanzieller Hilfe seiner Mutter unternehmerisch eigene Wege ging. Die von ihm gegründete Stinnes GmbH war Keimzelle eines branchenübergreifenden Weltkonzerns. Zu seinen nachhaltigsten Unternehmensgründungen gehörte die des Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerkes RWE im Jahre 1898. Als Hugo Stinnes 1924 starb, bestand sein Konzern aus rund 1500 Unternehmen mit knapp 2900 Produktionsstätten und zigtausenden Beschäftigten.

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